Nahrungsergänzung bei Prostatakrebs

Multivitamine, Spurenelemente, Selen ‚Äď 
zu viel schadet, die richtige Menge n√ľtzt

Sicher ist, dass Multivitaminpr√§parate keine abwechslungsreiche, vollwertige Ern√§hrung und gesunde Lebensweise ersetzen k√∂nnen. Leider werden sie immer noch viel zu h√§ufig als Alibi f√ľr eben diese Vers√§umnisse konsumiert. Doch k√∂nnen sie auch schaden?

Besonders bedenklich ist, dass in den meisten g√§ngigen Multivitaminpr√§paraten auch Spurenelemente enthalten sind, welche die meisten Menschen gar nicht brauchen: wie z. B. Eisen und Kupfer. In den USA ist sogar h√§ufig Nickel in Supplementen enthalten. Metalle wie Kupfer, Nickel und Eisen f√∂rdern oxidative Zellsch√§den und Entz√ľndungsprozesse sowie die Entstehung von Arteriosklerose und Krebserkrankungen.

In einer Untersuchung an 3000 M√§nnern und 3244 Frauen erh√∂hten die prooxidativen Metalle Eisen und Kupfer das relative Krebserkrankungsrisiko um den Faktor 1,86 (Eisen) bzw. 1,89 (Kupfer), w√§hrend niedrige Serumwerte das relative Risiko auf 0,96 (Eisen) bzw. 0,76 (Kupfer) senkten (Wu et al., 2004). Kupfer wirkt zytotoxisch, erzeugt oxidativen Stress und chronische Entz√ľndungsreaktionen durch Interaktionen mit NFkappa-B und TNF-alpha (Kennedy et al., 1998; Persichini et al., 2006). Es stimuliert auch die Neubildung von Tumor¬≠gef√§√üen. Die Kupferwerte von Krebskranken sind gegen√ľber Gesunden deutlich erh√∂ht (Nayak Shivananda et al., 2003). Therapeutisch verhindern Chelatoren die Hemmung der Kupfer¬≠aufnahme und reduzieren deutlich das Krebswachstum und die Neo¬≠angio¬≠genese (Brewer et al., 2000). Bekannterma√üen leben Frauen im Schnitt 5-8 Jahre l√§nger als M√§nner und haben bis zur Menopause deutlich weniger Herz-Kreislauf- und Krebs¬≠erkrankungen, wobei nach der Menopause das Erkrankungsrisiko drastisch ansteigt. M√∂glicherweise beruht dieser protektive Mechanismus auf den deutlich niedrigeren Eisen- und Kupfer-Spiegeln infolge der monatlichen ‚Äěperiodischen‚Äú Entgiftung der Frau.

Eine aktuelle Studie des National Cancer Institute mit 295.344 M√§nnern zeigte, dass man die Gesunderhaltung der Prostata nicht durch Multivitaminpr√§parate erreichen kann. Es zeigte sich kein Zusammenhang zwischen der regelm√§√üigen Einnahme und dem Risiko, an einem lokalisierten Prostatakarzinom zu erkranken. Dagegen scheint der exzessive Konsum von Multivitaminpr√§paraten das Risiko eines fortgeschrittenen (RR = 1,32) oder zum Tode f√ľhrenden (RR = 1,98) Karzinoms zu erh√∂hen. Diese positive Korrelation war am h√∂chsten bei M√§nnern mit Prostatakarzinom in der Familienanamnese und M√§nnern, die Einzel¬≠pr√§¬≠pa¬≠rate, einschlie√ülich Selen, beta-Carotin und Zink, einnahmen (Lawson et al., 2007). Seltsamerweise korrelierte eine gesunde Lebensweise in der gro√üen Studie deutlich mit einem erh√∂hten Risiko eines Prostatakarzinoms! Grund war wohl aber weniger die gesunde Lebensweise, sondern ‚Äď wie auch die Autoren einr√§umten ‚Äď der Detection Bias: M√§nner, die gesund leben und Pr√§vention betreiben, und auch M√§nner mit Prostatakarzinom in der Familienanamnese, nehmen deutlich mehr Supplemente und gehen viel √∂fter zu Vor¬≠sorge¬≠unter¬≠suchungen. Auch die besonders hohe Assoziation mit fortgeschrittenem Prostatakrebs (nicht aber mit t√∂dlich verlaufendem Prostatakrebs) verschwand in der Studie in einer Sub¬≠analyse, wo man diejenigen ausschloss, die die ersten Symptome ihres noch unbekannten fort¬≠ge¬≠schrit¬≠tenen Prostatakrebses mit Supplementen zu bek√§mpfen versuchten. Mit anderen Worten: die Supplemente machten sie nicht krank, sondern weil sie schon krank waren, nahmen sie mehr Supplemente.

Dennoch decken sich diese Ergebnisse mit anderen Studien, die auf ein Bild hinweisen: Ern√§hrungsphysiologische Dosen von Vitaminen und Spurenelementen haben keine bis g√ľnstige Effekte, w√§hrend orthomolekulare Dosen auch negative Effekte zeigen k√∂nnen. Viel hilft eben nicht immer viel.

So wurde vom National Cancer Institute die SELECT-Studie vorzeitig beendet: Einer Zwischen¬≠auswertung zufolge (Lippman et al., 2008) sch√ľtzt Vitamin E und/oder Selen √§ltere M√§nner nicht vor einem Prostatakarzinom. Unter der Gabe von Vitamin E war das Risiko von Prostatakarzinomen sogar leicht erh√∂ht und im Selen-Arm der Studie war die Zahl der Diabeteserkrankungen h√∂her. Die SELECT-Studie wurde aufgrund fr√ľher positiver Studien¬≠ergebnisse zu Vitamin E und Selen in Angriff genommen. Aus eigentlich unbegreiflichen Gr√ľnden wurde die in vier prospektiven Studien bew√§hrte ern√§hrungsphysiologische Vitamin-E-Dosis von 50 I.E., die zu einer Senkung des Auftretens von Prostatakrebs f√ľhrte, erh√∂ht auf 400 I.E. pro Tag. Bereits aus einer fr√ľheren Studie war bekannt, dass Dosen √ľber 100 I.E Vitamin E das Risiko eines aggressiven Prostatakrebses erh√∂hen.

Aus fr√ľheren Studien war auch bekannt, dass Selen in einer Dosis von 200 ¬Ķg deutlich das Risiko eines Prostatakarzinoms senkte, jedoch bei M√§nnern mit Selenmangel. Dieser ist bei Rauchern besonders h√§ufig. Die optimale Aktivit√§t der Selenoproteine liegt bei einer Plasma-Selenkonzentration zwischen 110-130 ¬Ķg/l vor. Niedrigere oder h√∂here Werte erh√∂hen tendenziell die Krebs- wie auch die Gesamtmortalit√§t. W√§hrend Deutschland und Europa mit Selen unterversorgt sind, trifft f√ľr die USA das Gegenteil zu. Daher fragt man sich mit Recht nach der Sinnhaftigkeit der SELECT-Studie. Wer w√ľrde bei regelrechtem √Ėlstand zus√§tzliches √Ėl einf√ľllen und dabei erwarten, dass dies gut f√ľr den Motor ist?

Der pr√§ventive Effekt von Selen ist abh√§ngig vom Versorgungsstatus zu Beginn einer Substitution. Zu dieser Schlussfolgerung gelangt auch eine aktuelle Meta-Analyse von Hurst et al. (2012). Bei der NPC-Studie (Nutritional Prevention of Cancer) waren die Ausgangs¬≠werte niedrig (Median 113 ¬Ķg/l) und das Risiko, Prostatakrebs zu entwickeln, sank bei (oraler) Einnahme von 200 ¬Ķg Selen pro Tag um 52 Prozent. Bei der SELECT-Studie war der Selen-Ausgangswert hoch (Median 135 ¬Ķg/l). Unter Supplementierung mit Selen-Methio¬≠nin wurden Werte von bis zu 275 ¬Ķg/l erreicht. Im Gegensatz zu Selenit/Selenat akkumuliert Selen-Methionin und ist daher potentiell gef√§hrlicher.

Selen und Vitamin E sind also weiterhin sinnvoll: Vitamin E in nat√ľrlichen Mengen, am besten aus der Nahrung, Selen h√∂her dosiert f√ľr diejenigen, die es brauchen. Vor allem bei einem bekannten Diabetesrisiko sollte der Mangel bei einer Langzeiteinnahme sicher¬≠gestellt sein. Niedrigere Dosen (ca. 50 ¬Ķg) d√ľrften ohnehin keinen Schaden anrichten.

Sind wir schlauer als ein Jahrmillionen langer Reifeprozess?

Am besten orientieren wir uns am Beispiel der Natur und versuchen nicht, schlauer zu sein. So festigt sich in der Ern√§hrungswissenschaft auf der Grundlage zahlreicher epidemio¬≠logi¬≠scher und klinischer Studien die √úberzeugung, dass es bei den bewiesenen Effekten von Obst und Gem√ľse weniger um die Spitzenleistung einiger weniger isolierter Verbindungen geht, sondern um das additive und synergistische Zusammenspiel der nat√ľrlichen Stoff¬≠kom¬≠binationen in einer Frucht (z. B. Liu et al., 2004).

W√§hrend isolierte pharmakologische Verbindungen meistens eine ausgepr√§gte Wirkung, aber auch ausgepr√§gte Nebenwirkungen haben k√∂nnen, sind Fr√ľchte, Beeren und Heil¬≠pflanzen h√§ufig (aber nicht immer) ausgeglichener und milder in der Wirkung. Ihr Geheimnis liegt in der Synergie. Pflanzen beeinflussen unsere Zellen und Gene √ľber kom¬≠plexe Signalwege. Hierbei ‚Äěkommuniziert‚Äú ein nat√ľrliches, seit Jahrmillionen fein auf¬≠ein¬≠an¬≠der abgestimmtes Orchester von Wirkstoffen mit der Zelle. Daher kann die richtige Mischung sehr geringer Mengen eine durchaus positive Wirkung zeitigen.

Einseitige, auf bestimmte Verbindungen konzentrierte Extrakte oder aus der nat√ľrlichen Lebensmittelmatrix herausgerissene Vitalstoffe, wie hochdosierte Vitamine und hoch¬≠dosierte Spurenelemente, haben eine andere Wirkung auf den Organismus als der nat√ľr¬≠liche Verbund in Form einer Frucht oder eines Gem√ľses. Der Verzehr von gro√üen, nahrungs¬≠un¬≠typischen Mengen isolierter Antioxidantien kann schaden, weil jedes Antioxidans zum Prooxidans werden kann und sich erst im Wechselspiel mit einer Vielzahl von Molek√ľlen wieder regenerieren muss. Im letzten Jahrzehnt sind vor allem die sogenannten ‚Äěsekund√§ren Pflanzenstoffe‚Äú (z. B. Polyphenole, Terpene, Steroide, Carotinoide, Alkaloide) in den Fokus der Wissenschaft ger√ľckt. Polyphenole bilden die gr√∂√üte Gruppe unter den sekund√§ren Pflanzenstoffen.

In diesem Zusammenhang ist eine aktuelle Studie (Barger et al., 2008) erw√§hnenswert. H√§ufig wird Resveratrol f√ľr die Gesundheitswirkung des Rotweins verantwortlich gemacht. In dieser Studie wurde gezeigt, dass eine naturgem√§√üe Polyphenol-Mischung mit einer wesentlich niedrigeren Resveratrol-Dosierung ‚Äď nur 6 % im Vergleich zur bekannten Studie von Baur et al. (2006) ‚Äď deutlich mehr Gene (1711 Gene, 61 % der untersuchten Gene) g√ľnstig beeinflusste als eine energiereduzierte Ern√§hrung (187 Gene, 7 %) oder Resveratrol allein (224 Gene, 8 %). Mit anderen Worten: t√§glich 1 bis max. 2 Gl√§schen eines guten, herben Bio-Rotweins aus dem Eichenfass ist ges√ľnder als eine Pille mit isoliertem Resveratrol.

Pflanzenpower gegen Prostatakrebs

Insgesamt ist eine abschlie√üende Beurteilung der Studienlage zum Prostatakrebs zu Pflanzenstoffen nicht m√∂glich. Allerdings gilt dies auch f√ľr die Hormonentzugstherapie, dem Goldstandard beim metastasierten Prostatakrebs. Seit ihrer Implementierung durch Huggins und Hodges im Jahre 1941 ist hier keine abschlie√üende Beurteilung in Bezug auf eine Lebensverl√§ngerung m√∂glich. Zwar kann sie palliativ die Symptomatik der Erkran¬≠kungen und ihres Fortschreitens mildern, jedoch gibt es bis heute keinen schl√ľssigen Beweis, dass sie das Leben verl√§ngern kann, wie die aktuellen Leitlinien der Europ√§ischen Gesell¬≠schaft f√ľr Urologie darlegen (Aus et al., 2005).

Daher haben Betroffene Recht, nicht auf das abschlie√üende Urteil der Medizin zu warten, bevor sie die Initiative f√ľr ihre Gesundheit ergreifen. Zwar w√§ren gro√ü angelegte Studien w√ľnschens¬≠wert, sie sind aber nicht zu erwarten, da die genannten Stoffe f√ľr die forschende pharmazeutische Industrie von geringem Interesse sind.

Granatapfel: Zu Granatapfel-Polyphenolen wurden inzwischen etwa 300 pr√§klinische und klinische Studien mit √ľberzeugenden, vielseitigen Effekten ver√∂ffentlicht. Neben zahlreichen pr√§klinischen Studien, die ein breites Wirkungsspektrum gegen Prostatakrebs aufzeigten, bew√§hrte sich die Frucht auch in zwei klinischen Studien bei Prostatakrebspatienten, die nach einer Prim√§rtherapie (Bestrahlung, OP) wieder ein Fortschreiten der Krebserkrankung hatten: Sie konnten ihren PSA-Wert wesentlich l√§nger stabil halten. Der PSA-Wert ist ein wichtiger Verlaufsmarker bei Prostatakrebs: Je langsamer der PSA-Wert nach einer Therapie ansteigt, desto l√§nger ist normalerweise die Lebenserwartung. In dieser Studie an 48 Patienten mit Prostatakrebs verl√§ngerten 240 ml Granatapfelsaft (aus Konzentrat, 570 mg Polyphenole pro Portion) den Zeitraum, in dem sich der Wert des Prostata spezifischen Antigens (PSA) verdoppelte, um 39 Monate ‚Äď die fast vierfache Zeit (Pantuck et al., 2006). Alle Patienten der Studie hatten noch keine Hormontherapie durchgef√ľhrt und trotz vorheriger Operation oder Bestrahlung wieder steigende PSA-Werte, was auf ein Fortschreiten der Krankheit hinweist. Keiner der Studienteilnehmer entwickelte eine Metastasierung in der langen Studienzeit von 33 Monaten. Das Getr√§nk hatte bei √ľber 80 Prozent der Studien-Teilnehmer deutliche Wirkungen. Eine reine Maskierung des PSA-Wertes (eine Neutralisierung des PSA durch Granatapfel-Polyphenole) ist sehr unwahrscheinlich, denn bei gesunden M√§nnern ohne Prostatakrebs hatte Granatapfelsaft keinen Einfluss auf den PSA-Wert.

Bei Patienten, die bis Ende 2008 im Median 56 Monate an der Studie teilgenommen hatten, verl√§ngerte sich unter Granatapfelsaft die PSA-Verdopplungszeit sogar auf 60 Monate. Der PSA slope fiel dabei durchschnittlich um 60 % (Median-Wert) im Vergleich zu Kontrollteilnehmern (Pantuck et al. 2009). Eine weitere Schlussfolgerung der Lang¬≠zeit¬≠analyse: Eine Untergruppe der Patienten profitierte besonders von der Einnahme des Granat¬≠apfels. Auch in Bioverf√ľgbarkeitsstudien wurden erhebliche individuelle Unter¬≠schiede festgestellt, die auf die Zusammensetzung der individuellen Darmflora zur√ľck¬≠ge¬≠f√ľhrt wurden (Cerda et al., 2004).

Bei der Lebendfermentation verdauen speziell ausgew√§hlte probiotische Mikroorganismen mit ihrem nat√ľrlichen Enzymspektrum die Granatapfelsaft-Polyphenole quasi vor und erh√∂hen deren Bioaktivit√§t und Bioverf√ľgbarkeit. Die besondere Wirksamkeit von fermentierten Granatapfelpolyphenolen wurde in pr√§klinischen Studien bei Leuk√§miezellen (Kawaii und Lansky, 2004) sowie Prostatakrebs (Albrecht et al., 2004; Lansky et al., 2005a und b) und Brustkrebs (Kim et al., 2002a) nachgewiesen.

In einer doppelblinden randomisierten Studie wurde 104 Prostatakrebspatienten nach erfolgloser Prim√§rtherapie (PSA-Rezidiv) ein Granatapfel-Extrakt verabreicht. In der Studie hatten die Teilnehmer im Schnitt ein Alter von 74,5 Jahren und einen Prostatakrebs von mittlerer Aggressivit√§t mit Gleason-Score 7. Durch die Aufnahme von Granatapfel-Extrakt mit 600 mg Polyphenolen am Tag √ľber 6 Monate verl√§ngerte sich die mittlere PSA-Verdopplungszeit von 11,9 auf 18,5 Monate. Bei 43 % der Studienteilnehmer konnte diese Zeitspanne im Vergleich zum Ausgangswert am Beginn der Studie verdoppelt werden, bei 13 % wurden fallende PSA-Werte festgestellt (Paller et al., 2012).

Forschungsergebnisse (√úberblick: Jacob und Klippel, 2008) zeigen interessante Perspek¬≠tiven bez√ľglich des hormonrefrakt√§ren Prostatakarzinoms auf. Eine bedeutsame Wirkung von Granatapfel-Polyphenolen bei fortgeschrittenem Prostatakrebs ist auch die Hemmung der Metastasierung und Tumorgef√§√üneubildung. Noch wenig erforscht, aber interessant ist auch die Wirkung von Granatapfel-Polyphenolen als Chelatoren potentiell toxischer Metalle wie z. B. Kupfer. Granatapfel-Polyphenole bilden m√∂glicherweise eine sinnvolle, synergistische Erg√§nzung zu Standardtherapien wie Chemo- und Strahlentherapie sowie Hormon¬≠ent¬≠zugstherapie. Aufgrund der Eigenschaft von Granatapfelpolyphenolen, die Expression des Androgenrezeptors und androgen-synthetisierender Enzyme herabzuregulieren, bei Protein¬≠kinasen eine Phosphorylierungshemmung und in Krebszellen die Apoptose ins¬≠beson¬≠dere √ľber eine NF-kappaB-Aktivierungshemmung zu f√∂rdern, k√∂nnte eine Kombination mit der Hormonablation sehr interessante Synergie-Effekte bewirken und die Bildung von Resistenzen verz√∂gern. Dies muss sich noch in der klinischen Praxis bew√§hren.

Granatapfel-Polyphenole verm√∂gen wohl auch andere Krebsarten wie Darm-, Haut-, Blut-, Lungen- und Brustkrebs sowie Entz√ľndungsprozesse, Stoffwechsel (metabolisches Syn¬≠drom, Diabetes mellitus Typ 2), das Gehirn (Alzheimer) und das Herz-Kreislauf-System (KHK, Arteriosklerose) g√ľnstig zu beeinflussen (√úberblick: Jacob, 2007a und b, Jacob, 2008).

Granatapfelprodukte weisen gro√üe Unterschiede in der Qualit√§t und im Gehalt an Polyphenolen, den Hauptwirkstoffen, auf. Dies betrifft nicht nur die S√§fte (897 bis 4265 mg/l Polyphenole nach Folin-Ciocalteu-Methode; Fischer-Zorn und Ara, 2007), sondern auch Granatapfelextrakte. Bei den meisten Kapselprodukten f√ľhrt die √ľbliche Hitzetrocknung durch Oxidation und Polymerisation der Polyphenole zu schwer resorbierbaren Substanzen. Gefriertrocknung erh√§lt die nat√ľrliche Zusammensetzung am besten.

Sojaisoflavone und Gr√ľntee werden u. a. f√ľr das extrem geringe Auftreten von Prostatakrebs in Asien verantwortlich gemacht. Tats√§chlich wirken beide Substanzen auf vielseitigem Wege der Krebsentstehung entgegen, wie z. B. durch Absenkung der 5-alpha-Reduktase-Aktivit√§t, Steigerung des SHBG-Spiegels mit Erniedrigung des freien Tes¬≠tosterons, antientz√ľndliche Wirkung, Bindung und Aktivierung des antiproliferativen ER-beta, Inhibition von Aromatase und Tyrosinkinase, Reduktion der Expression des Androgen¬≠rezeptors und der PSA-Produktion, Reduktion der Proliferation, sowie durch Aktivierung des Vitamin-D-Rezeptors. In klinischen Studien wurden bisher nur geringf√ľgig PSA-stabilisierende Effekte beobachtet (√úberblick: von L√∂w et al., 2007).

Das Ansprechen von Prostatakrebs-Patienten h√§ngt scheinbar von dem Stadium der Erkrankung und dem individuellen Rezeptor-Expressionsmuster ab. Isoflavone reduzieren deutlich das Risiko des lokalisierten Prostatakarzinoms, aber haben u. U. einen negativen Einfluss auf das fortgeschrittene Karzinom: In einer prospektiven Studie mit 43.509 Japanern im Alter von 45 bis 74 Jahren wurde der Einfluss von Soja-Isoflavonen auf das Prostata¬≠kar¬≠zi¬≠nom untersucht (Kurahashi et al., 2007). Soja-Isoflavone, die in Asien h√§ufig in fermentierter, besser bioverf√ľgbarer Form verzehrt werden, reduzierten das Risiko eines lokalisierten Prostata¬≠karzinoms signifikant. Dagegen schienen Isoflavone fortgeschrittene Prostata¬≠karzinome eher zu f√∂rdern. Von 43.509 Japanern entwickelten im Studienzeitraum nur 74 ein fortgeschrittenes Karzinom, was ein deutlicher Hinweis f√ľr den chemopr√§ventiven Nutzen der japanischen Ern√§hrungsweise ist (Kurahashi et al., 2007).

Eine chinesische Fallkontrollstudie mit 130 Prostatakrebspatienten zeigte, dass Gr√ľntee das Risiko, ein Prostatakarzinom zu entwickeln, deutlich minderte. Dieser Effekt scheint dabei stark dosisabh√§ngig zu sein: F√ľr eine wirksame Chemopr√§vention sind 3 Tassen (1 Liter) pro Tag n√∂tig. Die Vielgr√ľnteetrinker hatten ein relatives Risiko (RR) von 0,27 (95% KI = 0,15-0,48) verglichen mit Nichtteetrinkern. Der Teegenuss √ľber 40 Jahre hinweg zeigte die besten Effekte mit einem RR von 0,12 (95% KI = 0,06-0,26) (Jian et al., 2004). Leider zer¬≠schl√§gt eine gro√üe prospektive Studie mit 19.561 Japanern allzu gro√üe Hoffnungen, hier zeigte sich kein Unterschied zwischen Gr√ľntee-Vieltrinkern und Nichttrinkern (Kikuchi et al., 2006).

F√ľr die Kombination von Soja und Gr√ľntee sind zumindest im Tierversuch Synergieeffekte beschrieben worden: Bei M√§usen mit Prostatakarzinomen verst√§rkten sich Soja und Gr√ľntee dabei, die Tumormasse zu reduzieren und die Serumkonzentrationen von Testosteron und DHT zu senken (Zhou et al., 2003).

Chinesen und Japaner essen auch reichlich Kreuzbl√ľtler, zum Beispiel als Chinakohl und andere Kohlsorten sowie als Wasabi (japanischer Meerrettich). Die nachgewiesene Antikrebswirkung der enthaltenen Glukosinolate wurde bereits thematisiert.

Auf dem ASCO Kongress wurde am 02. Juni 2013 eine bedeutende Studie vorgestellt. Viele Lebensmittel, die reich an Polyphenolen sind, darunter Granat√§pfel, Brokkoli, gr√ľner Tee und Gelbwurz, werden mit positiven Auswirkungen auf unsere Gesundheit in Verbindung gebracht. Da es uns nicht immer leicht f√§llt gro√üe Mengen dieser Lebensmittel zu uns zu nehmen, wurde in einer Studie von Thomas et al. (2013) untersucht, ob sich auch die Einnahme dieser Lebensmittel in konzentrierter Form als Nahrungserg√§nzungsmittel positiv auf unsere Gesundheit auswirken kann.

In der doppelblinden, randomisierten Studie wurde 203 Prostatakrebspatienten √ľber einen Zeitraum von sechs Monaten entweder ein polyphenolreiches Nahrungserg√§nzungsmittel verabreicht, das eine Mischung von Extrakten aus Granatapfel, gr√ľnem Tee, Brokkoli und Gelbwurz enthielt, oder ein Placebo. 59 % der Studienteilnehmer befanden sich zum Zeitpunkt der Studie unter aktiver √úberwachung (active surveillance), 41 % hatten bereits eine Resektion hinter sich und erneut erh√∂hte PSA-Werte zu verzeichnen (watchful waiting).

Die Ergebnisse der Studie zeigen einen signifikant langsameren Anstieg der mittleren PSA-Werte in der Gruppe, die das polyphenolreiche Nahrungserg√§nzungsmittel einnahm, im Vergleich zur Placebo-Gruppe. W√§hrend sich im Median der PSA-Wert in der Verum-Gruppe nach sechs Monaten durchschnittlich um nur 14,7 % erh√∂hte, waren es in der Placebo-Gruppe ganze 78,5 %. Am Ende der Studie konnten in der Verum-Gruppe 61 Studienteilnehmer (46 %) einen stabilen oder sogar geringeren PSA-Wert aufweisen, w√§hrend dies in der Placebo-Gruppe bei lediglich 9 Personen (14 %) der Fall war. Diese Ergebnisse spiegeln auch wider, wie nach Beendigung der Studie weiter mit dem Prostatakarzinom verfahren wurde. In der Verum-Gruppe konnten 114 Studienteilnehmer (92,6 %) das bisherige Verfahren fortf√ľhren (active surveillance bzw. watchful waiting), w√§hrend das nur auf 38 Teilnehmer (74 %) der Placebo-Gruppe zutraf. Nebenwirkungen traten keine auf.

Ein anderes Nahrungserg√§nzungsmittel hat √ľber Jahre hinweg f√ľr Aufmerksamkeit gesorgt: Der Extrakt mit dem Namen ‚ÄěProstasol‚Äú wird aus acht chinesischen Kr√§utern, Wurzeln und Pilzen hergestellt und ist das Nachfolgeprodukt von PC-Spes, das wegen Verunreinigungen durch synthetische √Ėstrogene verboten wurde. Der Extrakt soll laut Firmenangabe auch bei hormonunempfindlichen Patienten helfen. Klinische Studien waren zu dem neuen Produkt nicht auffindbar. Durch den sehr hohen Phyto√∂strogengehalt wird die Testosteronbildung gesenkt, jedoch auch die Neigung zu Thrombose und Lungenembolie erh√∂ht (Clement und Bubley, 2008). Der Extrakt sollte daher unter √§rztlicher Kontrolle eingenommen werden.

Modifiziertes Citruspektin (MCP) ist ein hochmolekulares Polysaccharid, das in Zitrusfr√ľchten vorkommt und durch ein spezielles Verfahren in ein niedermolekulares Pektin, das √ľber den Verdauungstrakt vom K√∂rper aufgenommen werden kann, umgewandelt wird. Dadurch verf√ľgt es √ľber ein geringes Molekulargewicht von weniger als 20.000 Dalton und eine hohe Bioverf√ľgbarkeit. MCP ist in der Lage, die Metastasierung von Krebszellen durch Blockade von kohlenhydratbindenden Proteinen (Galektinen) zu hemmen. Zus√§tzlich erleichtert es die Detoxifikation von Schwermetallen und hilft den postprandialen Blutzuckeranstieg und den Cholesterinspiegel im Blut zu normalisieren. Alle diese Eigenschaften wirken sich g√ľnstig gegen Prostatakrebs aus.

Leider ist die klinische Studienlage mit MCP derzeit noch zu gering, um eine abschlie√üende Bewertung vorzunehmen. Bislang hat es erst zwei solcher Studien gegeben. Bez√ľglich der PSA-Verdopplungszeit konnte im Rahmen einer Pilotstudie die Wirksamkeit von 15 g MCP pro Tag nachgewiesen werden. Bei vier von sieben Prostatakrebspatienten kam es zu einer signifikanten Verl√§ngerung der PSA-Verdopplungszeit (Strum et al., 1999).

Im Rahmen einer Phase-II-Pilotstudie wurde die PSA-Verdopplungszeit vor und nach einer 12-monatigen Einnahme von MCP verglichen. Bei sieben von zehn Probanden verlängerte sich die PSA-Verdopplungszeit signifikant (p<0,05). Auch diese Studie lässt vermuten, dass MCP die PSA-Verdopplungszeit bei Männern mit rezidivierendem Prostatakrebs verlängern kann. (Guess et al., 2003)

Präklinische Studien zeigen, dass MCP die Ausbreitung von Prostata- (Jun Yan und Katz, 2010), Colon- (Hayashi et al., 2000), Leber- (Liu et al., 2008) und Hautkarzinomen (Platt und Raz, 1992) verhindern kann.

F√ľr die Entstehung von Metastasen ist zun√§chst ein ‚ÄěVerklumpen‚Äú von Krebszellen n√∂tig. Dieser Vorgang wird durch Galektine (Galektin-3) auf den Oberfl√§chen der Krebszellen herbeigef√ľhrt. Die galaktosereichen MCP-Molek√ľle haben eine sehr hohe Bindungsaffinit√§t f√ľr eben diese Oberfl√§chengalektine der Krebszellen. Sie k√∂nnen sich hierdurch mit den Krebszellen verbinden und diese in ihrer Aggregation, Adh√§sion und Metastasierung hemmen.

√úberblick der krebshemmenden Wirkungen von MCP (Raz, 2009)
  • MCP verf√ľgt √ľber die F√§higkeit, die sich bereits in der Blutbahn befindlichen Krebszellen an der Adh√§sion am Zielendothel des Blutgef√§√ües zu hindern.
  • MCP kann die Invasion in das neue Gewebe verhindern.
  • MCP kann, durch die Blockade von Galektin-3, das √úberleben neuer Metastasen-Kolonien verhindern.
  • Durch die Blockade des Oberfl√§chengalektins kann die Angiogenese der Metastase reduziert werden.

Speziell in der Prostatakrebsforschung sind die Ergebnisse bisheriger Forschungen vielversprechend: MCP ist sehr gut vertr√§glich und nahezu nebenwirkungsfrei. Bei in vivo Untersuchungen an tumortragenden Tieren konnte nachgewiesen werden, dass oral verabreichtes MCP die Lungenmetastasierung von Prostatatumoren und von B16-F1 Melanomen hemmt. In vitro zeigte MCP antitumorale Wirkung bei Colon-, Ovarial- und Prostatatumorzellen (Az√©mar et al., 2007). Einer in vivo Studie von Nangia-Makker et al. zufolge reduziert MCP das Tumorwachstum, die Angiogenese und die Metastasierung in Tumoren, die Galektin-3 Molek√ľle enthalten. Dies trifft insbesondere auf Brust- und Colonkrebs zu (Nangia-Makker et al., 2008).

Eine neuere, 20 Jahre dauernde Studie von Wilson und Mitarbeitern aus dem Jahr 2011 an 47.911 M√§nnern zeigt, dass auch der Konsum von Kaffee eine protektive Wirkung auf das Prostatakrebsrisiko aus√ľbt. M√§nner, die pro Tag sechs oder mehr Tassen Kaffee zu sich nahmen hatten ein um 18 % geringeres relatives Risiko an Prostatakrebs zu erkranken als M√§nner, die keinen Kaffee tranken. Dieses Ergebnis war noch deutlicher f√ľr die Entwicklung eines letalen Prostatakrebses, mit einem um 60 % reduzierten relativen Risiko bei sechs oder mehr Tassen Kaffee am Tag. Die Ergebnisse sind bereinigt bzgl. des Einflusses anderer Risikofaktoren, wie Rauchen, √úbergewicht u. √§. Die Wirkung des Kaffees wurde auf andere Komponenten als das Koffein zur√ľckgef√ľhrt (Wilson et al., 2011). Kaffee dient insbesondere in den USA als Hauptquelle von Polyphenolen, wie der Phenols√§ure Chlorogens√§ure.

Brokkoli enth√§lt gro√üe Mengen an Glukoraphanin, das durch das Enzym Myrosinase in Sulforaphan umgewandelt wird (Herr et al., 2013). In zahlreichen Studien konnten durch den Einsatz von Sulforaphan allein oder in Kombination mit anderen Naturstoffen oder Medikamenten bereits viele gesundheitsf√∂rderliche Effekte nachgewiesen werden, unter anderem eine Antikrebs-Wirkung (Kallifatidis et al., 2009; Kallifatidis et al., 2011; Rausch et al., 2010; Zhou et al., 2010). Bei der Zubereitung von Brokkoli wird dieser √ľblicherweise gekocht, wodurch die Myrosinase inaktiviert wird. Dies passiert auch bei handels√ľblichem, tiefgefrorenem Brokkoli, der vor dem einfrieren blanchiert wird. Dadurch wird bereits ein Teil der Myrosinase inaktiviert. Nach der empfohlenen Zubereitung ist schlie√ülich so gut wie keine Aktivit√§t mehr vorhanden (Dosz und Jeffery, 2013). Um die Sulforaphan-Ausbeute zu erh√∂hen kann man einen einfachen Trick anwenden: Isst man zu gekochtem Brokkoli ein Gem√ľse, das ausreichend aktive Myrosinase enth√§lt (z. B. Meerrettich, Wasabi, rohe Brokkolisprossen), kann durch diese auch das Glukoraphanin aus dem Brokkoli zu Sulforaphan umgesetzt werden. Dadurch kann die Sulforaphan-Absorption aus Brokkoli deutlich erh√∂ht werden (Cramer und Jeffery, 2011; Daily Mail Reporter, 2011). Rohe Brokkolisprossen enthalten zudem 10- bis 100-mal mehr Glukoraphanin (Fahey et al., 1997) als Brokkoli (ca. 55 mg in 500 g) (Herr und B√ľchler, 2010).

Die umfangreichen Daten aus epidemiologischen, in vitro, in vivo und klinischen Studien (von L√∂w et al., 2007) rechtfertigen die Empfehlung von lykopinreichen Tomatenprodukten, Selen (bei Mangel), Soja, Gr√ľntee und Granatapfel-Polyphenolen zur Pr√§vention des Prostatakarzinoms. Auch d√ľrfte in Abh√§ngigkeit der individuellen Tumorbiologie und Bioverf√ľgbarkeit der Pflanzenstoffe eine zum Teil deutliche Verlangsamung der Krebsprogression erreicht werden k√∂nnen. Aufgrund pr√§klinischer Studien ist auch Kurkumin (Kurkuma) ein vielversprechender Naturstoff gegen Prostatakrebs (von L√∂w et al., 2007).

Diese Naturstoffe können aber wohl weder eine sichere Heilung erreichen noch eine notwendige kurative Behandlung ersetzen. Wie insbesondere am Beispiel der Granatapfel-Polyphenole gezeigt werden konnte, sind diese Naturstoffe keine Konkurrenz zur schulmedizinischen Therapie, sondern können sie wirkungsvoll ergänzen.

W√§hrend Lykopin und Tocopherole besonders beim fortgeschrittenen Prostatakarzinom zu einer Risikoreduktion f√ľhren k√∂nnen (Key et al., 2007), scheint die Wirkung von Soja-Isoflavonen besonders das lokalisierte Prostatakarzinom zu betreffen. Eine g√ľnstige Wirkung von Granatapfel-Polyphenolen, Gr√ľntee und Selen (bei Selenmangel) d√ľrfte in jedem Stadium zu erwarten sein. Keines der Mittel ist an sich ein Allheil- oder Wundermittel.

Qualit√§t und Dosierung: Die Qualit√§t der auf dem Markt vorhandenen Produkte schwankt stark. Nur qualitativ hochwertige Produkte mit ausreichendem Wirkstoffgehalt in einem nat√ľrlichen Spektrum k√∂nnen auch eine ern√§hrungsphysiologische Wirkung erzielen.

In der Pr√§vention ist sicher der regelm√§√üige Verzehr ern√§hrungsphysiologischer Mengen chemopr√§ventiver Pflanzenstoffe zu bef√ľrworten. Bei der adjuvanten Ern√§hrungstherapie des Prostatakarzinoms ist noch zu pr√ľfen, ob die dauerhafte oder die intermittierende Gabe h√∂her dosierter Pflanzenstoffe vielleicht vorteilhafter ist. Hochdosierte Mengen Polyphenole sollten unter √§rztlicher Kontrolle der Leber- und Nierenwerte eingenommen werden.

Als Arzt und Betroffener sollte man immer daran denken, dass beim fortgeschrittenen, metastasierten Prostatakarzinom vor allem unter Anti-Hormontherapie sich die Tumorbiologie sehr dynamisch ver√§ndert und normalerweise gesunde Stoffe, wie z. B. Vitamin D (Ahn et al., 2008) oder Isoflavone (Kurahashi et al., 2007), u. U. eine paradoxe Wirkung haben k√∂nnen, indem sie das Tumorwachstum f√∂rdern. So wie sich die individuelle Beschaffenheit der Tumorbiologie im Krankheitsverlauf allm√§hlich ver√§ndert, muss sich auch die Therapie anpassen. Daher sollte der Erfolg der Naturstoffe, insbesondere auch hochdosierter Phyto√∂strogene, und auch der Erfolg von √Ąnderungen in der Einnahme an der PSA-Dynamik gemessen werden.


Effektiv Knochenmetastasen vorbeugen

In der Forschung wird immer deutlicher, dass dem Knochenstoffwechsel und der Knochen¬≠integrit√§t beim Prostatakrebs eine sehr hohe Bedeutung zukommt. Bei Patienten unter Hormontherapie ist der Knochenabbau deutlich erh√∂ht. Durch den Knochenschwund wird die Knochenmetastasierung als Haupttodesursache erleichtert. Auch vor der Diagnose von Metastasen kann bei aggressiven Prostatakarzinomen die Gabe von Bisphosphonaten (zuvor Zahn- und Kiefercheck beim Zahnarzt) sinnvoll sein. Dazu werden oft hohe Dosen Calciumcarbonat empfohlen.

Zu viel Calcium erhöht Prostatakrebsrisiko

Eine Metaanalyse von 12 klinischen Studien zeigt, dass M√§nner mit Prostatakrebs unter Hormonentzugstherapie bei einer Zufuhr von 500-1000 mg Calcium und 200-500 IU Vitamin D pro Tag dennoch eine verminderte Knochendichte aufwiesen. Die Autoren der Metaanalyse in Oncologist verweisen insbesondere auf die Sicherheitsbedenken in Bezug auf eine hohe Calciumzufuhr, welche das Risiko f√ľr Herz-Kreislauf-Erkrankungen und f√ľr fortgeschrittenen Prostatakrebs erh√∂ht (Datta und Schwartz, 2012). Eine Supplementierung n√ľtzt somit nichts, sondern schadet sogar m√∂glicherweise.

Hohe Calciummengen (√ľber 2 g/Tag) erh√∂hen insbesondere das Risiko eines aggressiven Prostatakarzinoms um mindestens das 2,5-Fache (z. B. Skinner und Schwartz, 2008; Giovannucci et al., 2006), steigern das Risiko f√ľr Herzinfarkt und Schlaganfall um ca. 30 % (Bolland et al., 2010) und sch√§digen dar√ľber hinaus die Darmflora durch eine Milieu¬≠ver¬≠√§nde¬≠rung (Alkalisierung). Eine proteinreiche Kost und die Alkalisierung des Dickdarms tragen zu einer erh√∂hten Ammoniak- und Toxinbelastung des Darmes (F√§ulnisstoffwechsel statt Fermentation) und der Leber bei, die eine Fatigue des Krebskranken mit verursachen oder verst√§rken kann (Jacob, 2008).

Der World Cancer Research Fund (WCRF) und das American Institute for Cancer Research (AICR) kommen 2007 in ihrem zweiten umfassenden Bericht zu Ern√§hrung, Bewegung und Krebsvorbeugung zu folgender Risikoeinstufung: Eine calciumreiche Ern√§hrung ‚Äď auch durch hochdosierte Supplemente ‚Äď erh√∂hen ab einer Gesamttagesdosis von 1,5 g wahr¬≠schein¬≠lich das Prostatakrebsrisiko (zweith√∂chste Evidenzstufe von vier Evidenzstufen). Selen, selenhaltige Lebensmittel und lykopinhaltige Lebensmittel wirken wahrscheinlich protektiv gegen√ľber Prostatakrebs.

Tumormilchsäure greift Knochen und Bindegewebe an

Auch hier ist eine basenreiche Kost besonders g√ľnstig und wichtig: So konnte in verschiedenen Untersuchungen gezeigt werden, dass sich der h√∂here Basengehalt echter pflanzlicher Kost sehr positiv auf die Knochendichte auswirkt, wohingegen eine protein- und fleischreiche Kost die H√§ufigkeit von H√ľftbr√ľchen stark erh√∂ht (Abelow et al., 1992; Arnett, 2003; Ball und Maughan, 1997; Barzel, 1995; Brown et al., 2000; Buclin et al., 2001; Bushinsky, 1997; Bushinsky et al., 2000 und 2003; Frassetto et al., 2000; Giannini et al., 1999; Jajoo et al., 2006; Lemann et al., 2003; Lutz, 1984; Marsh et al., 1988; New, 2001a, b und 2002; New et al., 1997, 2000 und 2003; Sebastian et al., 1994; Sellmeyer et al., 2001; Tucker et al., 1999; Witasek et al., 1996).

Unser Stoffwechsel ist nicht auf die heutige kaliumarme sowie protein- und s√§urereiche Ern√§hrung eingestellt (Sebastian et al., 2002). Die s√§urereiche Kost f√ľhrt selbst bei sonst gesunden Personen zu einer niedriggradigen systemischen √úbers√§uerung. Diese latente √úbers√§uerung nimmt im Alter mit abnehmender Nierenfunktion zu (Frassetto et al., 1996). Bei zunehmender auch niedriggradiger √úbers√§uerung ersch√∂pfen sich die Pufferreserven des K√∂rpers: es werden verst√§rkt Mineralstoffdepots in den Knochen angegriffen.

Dies gilt umso mehr f√ľr den fortgeschrittenen Prostatakrebs, wo auch die Milchs√§ureproduktion des Tumors den Organismus zus√§tzlich belastet. Bei Krebszellen ist die Zellatmung stark eingeschr√§nkt und wird durch eine aerobe Glykolyse (Warburg-Effekt) zum Teil ersetzt. Hierbei korreliert das Ausma√ü der Milchs√§ure-Produktion positiv mit der Malignit√§t und der Radio-/Chemotherapieresistenz des Tumors sowie der schlechten Prognose (Walenta und Mueller-Klieser, 2004; Walenta et al., 2000; Sattler et al., 2007). Eine Ausleitung der Milchs√§ure, die den Tumor vor Immunabwehr, Radio- und Chemotherapie sch√ľtzt und die Invasion f√∂rdert, k√∂nnte daher ein bisher √ľbersehener zentraler Bestandteil der Krebstherapie sein.

Zudem setzt der K√∂rper in einem sauren Milieu vermehrt entz√ľndungsf√∂rdernde Substanzen wie NF-kappaB, TNF-alpha und COX-2 frei, welche den Knochenabbau beschleunigen (Frick et al., 2005, Krieger et al., 2007) und ein insgesamt proentz√ľndliches, tumorfreundliches Milieu schaffen.

Calciumstatus verbessern mit Kaliumcitrat

Wer es √ľber die Ern√§hrung allein nicht schafft (hierbei ist die pers√∂nliche Einsch√§tzung oft zu optimistisch), kann dem Verlust von Knochensubstanz auch durch die Einnahme eines Citrat-Basenpulvers entgegenwirken. Dabei ist es sinnvoll, das Knochenmineral Calcium in einer synergetischen Mischung mit Vitamin D, Magnesium und vor allem Kalium zuzuf√ľhren. F√ľr Kaliumcitrat ist in klinischen Studien nachgewiesen, dass es dem Calciumverlust √ľber die Niere und dem Calciumabbau aus dem Knochen entgegenwirkt (Jehle et al., 2006; Marangella et al., 2004; Sellmeyer et al., 2002). Damit wirkt es gleich von zwei Seiten der Osteoporose entgegen. Calcium bleibt im Knochen und kommt nicht ins Blut, wo es das Tumorwachstum f√∂rdert. Bei Zellkulturen aus Prostatektomien wachsen im calciumarmen N√§hrmedium keine Krebszellen, sondern normale Zellen heran (Dalrymple et al., 2005).

Da bei Prostatakrebs eine milchproduktefreie Ern√§hrung sinnvoll ist, kann es zu einer Minderversorgung mit Calcium kommen. Anzustreben ist eine t√§gliche Aufnahme von insgesamt 1 g Calcium. Calciumcitrat und Calciumlaktat sind gut bioverf√ľgbar und werden insbesondere bei Personen mit wenig Magens√§ure wesentlich besser aufgenommen als Calciumcarbonat. Durch die sinnvolle Kombination von Kalium sowie Calcium und Magnesium im Verh√§ltnis 3:2 als basische Verbindungen (z. B. Citrate) werden alle wichtigen Mineralstoffe zur Verbesserung der Knochendichte zugef√ľhrt, ohne dass es zu einer Calcium√ľberladung kommt. Speisesalz und eine Ern√§hrung, die viel tierisches Protein enth√§lt, greifen die Knochen an und sollten stark reduziert werden.

Pr√§biotische Ballaststoffe f√ľhren zu einem gesunden, sauren Dickdarm-Milieu und verst√§rken die g√ľnstige Wirkung von Kaliumcitrat auf den Mineralhaushalt, indem die Aufnahme von Magnesium und Calcium aus der Nahrung gesteigert ‚Äď ihre Ausscheidung jedoch vermindert wird (Sabboh et al., 2006). Bei Osteoporose ist die Zufuhr von Magnesium genauso wichtig wie die Einnahme von Calcium. Denn der Magnesiumgehalt ist im Knochen ebenso stark reduziert. Auch nimmt bei Magnesium-Mangel die Serum-Konzentration von Vitamin D ab.

Durch den Ausgleich des S√§ure-Basen-Haushalts wird also die ung√ľnstige Calcium√ľberladung des Blutes verhindert, weil das Calcium im Knochen bleibt und nicht als Puffersubstanz entnommen wird. Wer also das Problem urs√§chlich angeht, richtet durch eine einseitige Calciumsupplementation nicht weiteren Schaden an, sondern st√§rkt den Knochen und die Gesundheit. Sehr wichtig f√ľr die Gesunderhaltung des Knochens ist auch regelm√§√üige Bewegung und Nicht-Rauchen!

Entz√ľndungsmodulation zum Knochenschutz

Das Fortschreiten der Osteoporose wird insbesondere von einer Entz√ľndungsaktivierung des Knochens vorangetrieben. Hier steht nun der 'Receptor activator of nuclear factor kappaB ligand' (RANKL) im Mittelpunkt der Forschung. Er gilt als Hauptschuldiger f√ľr die Osteoklastenaktivierung und damit den verst√§rkten Knochenabbau (Rauner et al., 2007). √úbrigens f√ľhrt Rauchen zu einer NFkappaB-Aktivierung, was wahrscheinlich der Grund f√ľr den verst√§rkten Knochenabbau bei Rauchern ist. Raucher k√∂nnen aufgrund der reduzierten Knochendichte oft am R√∂ntgenbild erkannt werden.

Neue Behandlungsans√§tze zum Knochenschutz (Denosumab) setzen daher an der Entz√ľndungsmodulation an. Hier k√∂nnten Granatapfelpolyphenole (als potente NFkappaB-Hemmer), Granatapfelsamen√∂l (Mori-Okamoto et al., 2004) sowie Kalium-, Magnesium und Calciumcitrat einen wirkungsvollen, nebenwirkungsfreien, nat√ľrlichen Ansatz bieten.

Bor, Silizium und Vitamin K2

Bor ist ein Spurenelement, das in Fr√ľchten, Gem√ľse und N√ľssen vorkommt. Auch wenn es wie Silizium bislang (wohl zu Unrecht) als nicht essentiell gilt, d√ľrfte es eine wichtige Rolle f√ľr die Knochengesundheit, Entz√ľndungsmodulation (Entz√ľndungshemmung) sowie Gehirnfunktion spielen (Nielsen, 2008). Bor verbessert u. a. die Verwertung von Calcium, Vitamin D und Magnesium.

In verschiedenen pr√§klinischen Studien wurden g√ľnstige Effekte gegen Prostatakrebszellen festgestellt (z. B. Barranco und Eckhert, 2004; Gallardo-Williams et al., 2004).

Bors√§ure wirkt hemmend auf Serumproteasen wie das PSA (Gallardo-Williams et al., 2003), das nicht nur der Tumormarker bei Prostatakrebs ist, sondern auch eine wichtige Rolle bei dessen Wachstum (vermittelt √ľber IGF-1) spielt. Bors√§ure verminderte bei M√§usen das PSA um 87 % und verringerte in einem Prostatakrebs-Maus-Modell die Tumorgr√∂√üe (Gallardo-Williams et al., 2002). Es k√∂nnen bei Borgabe falsch niedrige PSA-Werte auftreten. Die Einnahme sollte dem behandelnden Arzt mitgeteilt werden.

Während eine Fallkontrollstudie (Cui et al., 2004) eine hohe Risikoreduktion bei Prostatakrebs durch Borzufuhr in der Ernährung feststellte, konnte eine andere Studie (Gonzalez et al., 2007) dies nicht bestätigen.

Von besonderer Bedeutung ist auch Silizium. In der Framingham-Studie ging eine hohe Siliziumzufuhr mit deutlich erh√∂hter Knochendichte in H√ľften und Wirbels√§ule einher (Jugdaosingh et al., 2004). Die wissenschaftlichen Erkenntnisse der letzten 30 Jahre (Jugdaohsingh, 2007) belegen eine wichtige Rolle in der Knochenbildung und im Bindegewebe, insbesondere auch in der Kollagensynthese und Matrixmineralisierung. Diese Faktoren sind f√ľr die Vermeidung von Tumorinvasion und Metastasierung bedeutsam.

Vitamin K2 (Menaquinon) hat eine deutlich h√∂here Bioverf√ľgbarkeit und Aktivit√§t als Vitamin K1 (Phyllochinon). Studien (√úbersicht: Plaza und Lamson, 2005) zeigen, dass dieses Vitamin eine wesentliche Rolle darin spielt, das Calcium aus dem Blut, wo es schaden kann, in den Knochen zu schaffen, wo es hingeh√∂rt. Vitamin K2 hemmt u. a. die Osteoklastenaktivit√§t. Eine Osteoporose-Therapie mit Vitamin D kann durch Vitamin K2 unterst√ľtzt werden. K2 wurde in verschiedenen klinischen Studien auf seine Wirksamkeit in der Osteoporoseprophylaxe und -therapie getestet: Bei Frauen nach der Menopause wirken 45 ¬Ķg Vitamin K2 signifikant gegen Osteoporose. Diese Wirkung kann durch Vitamin D und Bisphosphonate noch synergistisch gesteigert werden.

Eine deutsche Forschergruppe aus Heidelberg (Deutsches Krebsforschungszentrum; Nimptsch et al., 2008) zeigte, dass das Prostatakarzinomrisiko in der Gruppe mit h√∂chstem Vitamin K2 (nicht aber K1) 35% niedriger war als in der Gruppe mit dem niedrigsten Vitamin K2. Beim fortgeschrittenen Prostatakrebs war das Risiko sogar 63% niedriger. Vitamin K2 wird durch bakterielle Fermentation gewonnen. Auch hier zeigt sich, wie g√ľnstig sich eine gesunde Darmflora und fermentierte Lebensmittel wie Natto f√ľr die Gesundheit auswirken k√∂nnen.

Zusammenfassung der Empfehlungen zur Chemoprävention und adjuvanten Ernährungstherapie des Prostatakarzinoms

Als Grundlage gelten die allgemeinen Empfehlungen zur Prävention von Krebs- und Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Dazu gehören Nichtrauchen, täglich maßvolle Bewegung möglichst an der frischen Luft, ausreichend Sonnenlicht (ohne Sonnenbrand), mäßiger Alkoholkonsum, Entspannung und eine positive Lebenseinstellung.


Je mehr Studien ver√∂ffentlicht werden, desto widerspr√ľchlicher werden leider oft die Ergebnisse. Diese einfachen Lebensweisheiten haben Jahrtausende √ľberdauert: Die goldene Mitte, also das richtige Ma√ü und die richtige Auswahl, und positive Beziehungen sind der Schl√ľssel zum Gl√ľck und zur Gesundheit. Das erkannte auch schon Hippokrates: ‚ÄěEine einfache Ern√§hrung, ausreichende k√∂rperliche Bewegung und Ma√ühalten in allen Dingen des Lebens, ist das beste Rezept um ein Alter in Gesundheit zu erreichen.‚Äú Dabei ist zu bedenken, dass sich unsere westliche Lebensweise bereits extrem von der Mitte entfernt hat und daher f√ľr uns die R√ľckkehr zur Mitte heute extrem erscheinen mag.

Die Zusammenstellung basiert auf den zuvor dargestellten Zusammenhängen, umfassenden Recherchen und den Empfehlungen des World Cancer Research Fund (www.wcrf.org).

Folgende alimentäre Maßnahmen sind in der Prävention und begleitenden Ernährungstherapie von Prostatakrebs besonders sinnvoll:

√úbergewicht: Gewichtsnormalisierung mit Dr. Jacobs Ern√§hrungsplan ist ideal f√ľr eine gesunde und nachhaltige Gewichtsreduktion bei Prostatakrebspatienten geeignet. Das viszerale Fett wird allm√§hlich abgebaut und Insulin-, IGF-, Blutzucker- und Cholesterin¬≠werte normalisieren sich erfahrungsgem√§√ü zunehmend, wenn dem Ern√§hrungsplan gefolgt wird.

Hypercholesterin√§mie: f√ľhrt zu einer deutlichen Risikoerh√∂hung eines fortgeschrittenen Prostatakarzinoms; besonders empfehlenswert: Dr. Jacobs Ern√§hrungsplan, ballaststoffreiche Ern√§hrung, Granatapfel-Polyphenole, ggf. Statine (in Kombination mit Q10).

Gem√ľse, Kr√§uter, Obst, Pflanzenkost (8-10 Portionen t√§glich):

  • Gr√ľntee (ca. 0,5-1 Liter √ľber den Tag verteilt; hier ist ‚ÄěBio‚Äú sinnvoll)
  • Soja (Tofu, Sojabohnen, Natto, Sojamilch; reich an Isoflavonen)
  • Tomaten (als Tomatenmark oder Saft mit Oliven√∂l f√ľr die verbesserte Resorption des lipophilen Lykopins, 30 mg Lykopin sind in ca. 300 ml Tomatensaft oder in 50 g Tomatenmark enthalten. Frische Tomaten enthalten nur 5 mg pro 100 g)
  • Schwefelaktive Pflanzenstoffe: Kreuzbl√ľtler (Brokkoli, besonders auch der Strunk, frisch zermahlene Brokkolisamen (h√∂chster Sulforaphangehalt), Brokkolisprossen (roh), Blumenkohl, Kohl, Meerrettich und Senf), Knoblauch, B√§rlauch, Zwiebeln
  • Gelbwurz (Kurkumin), Curry
  • Granatapfel-Polyphenole (ca. 600 mg Polyphenole als Galluss√§ure-√Ąquivalent)

Ballaststoffe: Eine pflanzenreiche Ern√§hrung ist naturgem√§√ü reich an Ballaststoffen. Empfohlen werden t√§glich mindestens 30 g Ballaststoffe aus Vollkornprodukten, Gem√ľse und Obst, insbesondere Leinsamen, der besondere Phyto√∂strogene (Enterolactone) enth√§lt. 

Tierische Lebensmittel:

  • Den Konsum von Fleisch, insbesondere von rotem Fleisch, Fleischerzeugnissen und Wurst, auf maximal einmal w√∂chentlich eine kleine Portion beschr√§nken.
  • Milchprodukte maximal reduzieren (Calcium, IGF-1 und Wachstumsfaktoren).
  • Den Verzehr von Eiern und Lebensmittel mit Ei stark reduzieren.
  • 2-mal w√∂chentlich schonend zubereiteter Kaltwasserfisch (DGE-Empfehlung)
     Mehr n√ľtzt nicht mehr, sondern kann auch schaden.

 

Calcium: Nur in Maßen, maximal 1,5 g am Tag aus allen Quellen. Einzeldosis max. 400 mg.

Pflanzliches Protein: Regelmäßig sojahaltige Mahlzeiten (Tofu) als gesunder Fleischersatz mit Phytoöstrogenen.

Fette:

  • Weniger ist besser! Sehr fettarm ern√§hren! 10 % der Energie aus Fett.
  • Aber: Bei Kachexie ist eine kalorien- und fettreichere Ern√§hrung notwendig, um einem unerw√ľnschten Gewichtsverlust entgegenzuwirken.
  • Ges√§ttigte Fette (Fleisch, K√§se, Schokolade), Transfetts√§uren, Arachidons√§ure (Fleisch, Wurst) und Omega-6-Fetts√§uren meiden. 
  • Besser: Omega-3-Fetts√§uren (z. B. in frischem Lein√∂l, Hanfsaat, Chia-Samen oder Kaltwasserfisch, Lachs, Hering, Sardinen), aber auch nur in moderaten Ma√üen konsumieren. Mehr ist nicht besser, sondern kann schaden.
  • Waln√ľsse enthalten gesunde Fett- und Pflanzenstoffe gegen Prostatakrebs. 
  • Omega-3-Fetts√§uren mit gro√üer Sorgfalt verarbeiten und nicht braten. Lein√∂l muss frisch sein.

Kohlenhydrate mit hohem glyk√§mischem Index (Zucker, Wei√ümehl, Pommes frites etc.): Sehr deutliche Reduktion, um postprandiale Blutzucker- und Insulinspitzen zu meiden. Zucker mit unsch√§dlichen S√ľ√üungsmitteln ersetzen (Stevia, Xylit, Erythrit). Immer komplexe, langsam verwertbare Kohlenhydrate (wie z. B. Gem√ľse, H√ľlsenfr√ľchte, Vollkornprodukte, Ballaststoffe) bevorzugen.

Hohe Insulin- und IGF-1-Spiegel f√∂rdern Prostatakrebs. Die Kombination von tierischem Protein und Kohlenhydraten mit hohem glyk√§mischem Index f√ľhrt zur h√∂chst m√∂glichen Insulinaussch√ľttung. 

Fl√ľssigkeit: mindestens 1,5-2 Liter energiefreie Fl√ľssigkeit (Wasser, Gr√ľntee, Kr√§utertee). Sind im Haus noch Kupferleitungen oder sogar alte Bleileitungen verlegt, sollte ein Wasserfilter zum Entfernen des Kupfers verwendet werden.

Weichmacher, Bisphenol A: Nahrungsmittel aus Dosen und Plastik reduzieren.

Vitamine und Spurenelemente:

  • 55-200 ¬Ķg Selen (Nahrungserg√§nzungsmittel als Natriumselenit oder Selenat). Wenn kein Mangel vorhanden ist, k√∂nnen Dosen um 200 ¬Ķg Selenmethionin m√∂glicherweise das Diabetes-Risiko erh√∂hen. Bei Dauereinnahme √úberpr√ľfung des Selen-Status.
  • 50 I.E. Vitamin E: aus Nahrungsmitteln wie Weizenkeimen oder niedrig dosierten Nahrungserg√§nzungsmitteln
  • Ggf. 1 g DHA/EPA t√§glich supplementieren (bei Ern√§hrung ohne Fisch) zusammen mit nat√ľrlichen Antioxidantien wie Granatapfel-Polyphenolen (aktivieren das Schutzenzym PON-1) und im Rahmen einer sehr fettarmen Ern√§hrung
Neben viel Bewegung ist f√ľr die Knochen besonders wichtig:
  • Bor (Aprikosen, Pfirsiche, Trockenobst, N√ľsse) und Silizium
  • 45 ¬Ķg Vitamin K2 (aus Natto oder Nahrungserg√§nzung)
  • Vitamin D: Durch ausreichend Sonnenlicht (Bewegung im Freien). Die Bestimmung der Blutwerte ist unbedingt anzuraten. Im Winter und bei geringer Sonnenexposition werden h√§ufig 2000-3000 I.E. als Supplement ben√∂tigt. Erreicht werden sollten Werte zwischen 75-150 nmol/l. Besonders unter Hormontherapie ist auf ausreichende Blutpegel zu achten.
  • Kaliumcitrat, Magnesiumcitrat und Calciumcitrat (aber keine Supplemente mit hohen Calciumeinzeldosen!)
Bewegung und Sport

T√§glich 15-30 Minuten Bewegung gen√ľgen, um eine allgemeine Verbesserung der Gesundheit zu bewirken (Spazierengehen, joggen, tanzen, Fahrrad fahren, Gartenarbeit). Doch gegen Prostatakrebs bedarf es mehr: Drei Stunden k√∂rperlich anstrengender Sport in der Woche sind das Minimum.